Veranstaltungen > Tagungen > Nachwuchstagung, 25. - 27. Februar 2010, Göttingen

Nachwuchstagung | Gemeinschaft als Erfahrung. Kulturelle Inszenierungen und soziale Praxis 1930-1960

Tagungsthema

 Die Tagung des Niedersächsischen Forschungskollegs „Nationalsozialistische ‚Volksgemeinschaft’? Konstruktion, gesellschaftliche Wirkungsmacht und Erinnerung vor  Ort.“ richtet sich vorrangig an Graduierte und Promovierende. Es sollen Forschungsarbeiten vorgestellt und diskutiert werden, die Diskurse, Funktionen und Erfahrungen von Gemeinschaftsformen und Vergemeinschaftungspraktiken thematisieren.

Gemeinschaft zu erfahren, zu stiften und zu inszenieren wurde zum Leitbild vieler Bewegun­gen im krisenhaften Übergang ins 20. Jahrhundert. Daran knüpften Jugendbewegungen, Verbände und Parteien an, nicht zuletzt der Nationalsozialismus. Aber auch nach 1945 dauerte die Attraktivität von „Gemeinschaft“ als Konzept weiter an.

Bereits bei Max Weber war deutlich geworden, dass die Zuweisung von Zugehörigkeit zu definierten Gemeinschaf­ten integral mit dem Ausschluss von Anderen verbunden ist. Die Geschichte des „Dritten Reiches“ bietet hierfür be­sonders extreme Beispiele, stimulierte und legitimierte doch das Narrativ vom Fremden und Eigenen die Verbre­chen von Verfolgung und Holocaust.

Durch die inflationäre Postulierung und Propagierung der „Volksgemeinschaft“ und durch das Erlebnisangebot aufwändiger Inszenierungen versuchten die Nationalsozialisten gezielt eine emotionale Gemeinschaftsbindung an das Regime zu schaffen und einen längerfristigen Konsens in der Bevölkerung herzustellen. Zwangs- und Konstruktionscharakter waren dem Topos „Volksgemeinschaft“ dabei jedoch immer inhärent. In der derzeitigen Forschungsdebatte zur nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ soll diese durch andere Gemeinschaftsphänomene, deren Konstruktion und Erfahrung kontextualisiert werden, zum Beispiel

  • im Feld sozialer Formationen wie Parteien, Vereinen oder Kirchen;
  • bei Praktiken öffentlicher Inszenierung oder Massenkultur wie zum Beispiel Festen, Sport oder Demonstrationen;
  • als Bestandteil politischer Ordnungssysteme, deren sozialer Praktiken und Normierungen sowie politischen Gemeinschaftsinszenierungen;
  • für das Verhältnis von Inklusion und Exklusion durch Gemeinschaftsbildungen;
  • hinsichtlich der Auswirkungen von Epochenumbrüchen auf die Verfasstheit von Gesellschaften und ihre Praktiken der Selbst- und Fremdorganisation.

Programm

Donnerstag, 25. Februar 2010

16:00                   Öffnung des Tagungsbüros, Papendiek 14

17:00-17:30      Begrüßung

17:30-19:00     "Gemeinschaft": Interdisziplinäre Annäherungen

Moderation: Lu Seegers (Hannover)

Impulsreferate von Habbo Knoch (Göttingen / Celle), Tobias Krohn (Dresden), Jörg Marschall (Berlin), Samuel Salzborn (Gießen)

 

19:30                      Gemeinsames Abendessen im "Fellini", Groner-Tor-Str. 32

Freitag, 26. Februar 2010

9:00-10:45           Panel I: „Gemeinschaft“ in der NS-"Volksgemeinschaft

Moderation: Kathrin Stern (Oldenburg)

Daniel Mühlenfeld (Düsseldorf):  Die nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“. Handlungs- und rollentheoretische Überlegungen zu ihrer Analyse

Janosch Steuwer (Bochum): Die alltägliche Ingebrauchnahme der „Volksgemeinschaft“. Eine Gesellschaftsgeschichte der Etablierung des Nationalsozialismus 1933-1939

 

10:45-11:15            Kaffeepause           

11:15-13:00          Panel II: Massenereignisse und Gemeinschaftsgefühle im Nationalsozialismus

Moderation: Samuel Salzborn (Gießen)

Rudolf Oswald (Reichertshofen ): "Gegen die Ich-Sucht der Zeit": Der Gemeinschaftsdiskurs im deutschen Fußball, 1920-1960

Sascha Howind (Hannover): Unterwegs mit “Kraft durch Freude”. Inszenierung der „Volksgemeinschaft“ zwischen propagandistischem Anspruch und sozialer Realität 1933-1939

 

13:00-14:30            Mittagspause       

14:30-16:15         Panel III: Gemeinschaftsbildung und urbane Rituale im Nationalsozialismus

Moderation: Kerstin Thieler (Hannover / Göttingen)

Petra Spona (Frankfurt  a. M.): Volksgemeinschaft durch Partizipation. Ehrungen als soziale Praxis in Hannover 1933-1945

Gunnar Zamzow (Oldenburg) : Die „Stadt der 500.000“ als Aufbauversprechen. Überlegungen zur Etablierung der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ in Wilhelmshaven

 

16:15-16:45            Kaffeepause           

16:45-18:30          Panel IV: Tatgemeinschaften

Moderation: Lars Amenda (Osnabrück)

Bastian Hein (München) : Elite in der „Volksgemeinschaft“? Vergemeinschaftung im Rahmen der Auslese und Praxis der Allgemeinen SS

David Reinicke (Göttingen): Aufstieg durch Gemeinschaft. Kameradschaftspraxis und soziale Utopie in den SA-Wachmannschaften der Emslandlager 1934-42

 

Abend zur freien Gestaltung

(Angebot: Treffen um 19:30 im "Sambesi", Wendenstr. 8)

Samstag, 27. Februar 2010            

9:00-10:45           Panel V: Erinnerungsgemeinschaften

Moderation: Maik Tändler (Göttingen)

Janine Doerry (Hannover):  Kriegsgefangene Juden aus Frankreich und deren Familien in und nach der Shoah. Kriegsgefangenschaft, Deportation nach Bergen-Belsen und Erinnerung in Frankreich

Bianca Roitsch (Oldenburg):  "Lokale Gemeinschaftsformen in der niedersächsischen Provinz 1933-1960. Die Fallbeispiele Bergen, Esterwegen und Moringen als Orte der Unmittelbarkeit zum NS-Terror."

 

10:45-11:15            Kaffeepause           

11:15-13:00       Panel VI: Generationsgemeinschaften

Moderation: Eva-Maria Silies (Hamburg)

Benjamin Möckel (Göttingen) : Jugend im Zweiten Weltkrieg. Das Ende der Gemeinschaftserfahrung und seine Rezeption als (negative) Generationserfahrung

Steffen Werther (Stockholm):  "Volksgemeinschaft" vs. "Germanische Gemeinschaft". Der Konflikt zwischen völkisch-nationalistischen und "rassischen" Gemeinschaftskonstrukten in der Deutsch-Dänischen Grenzregion 1933-45

 

13:00-14:00            Mittagspause

14:00-15:00      Abschlussdiskussion

Moderation: Habbo Knoch (Göttingen / Celle)

Tagungsort

Die Tagung findet im Historischen Gebäude der Nds. Staats– und Universitätsbibliothek Göttingen statt.

Adresse: Papendiek 14 | 37073 Göttingen

Vom Bahnhof gelangt man dorthin in ca. 10 min Fußweg, auch die anderen Örtlichkeiten sind zu Fuß gut zu erreichen.

 

Tagungsorganisation & Kontakt

Tagungsorganisation

Anette Blaschke | Habbo Knoch | David Reinicke

Kathrin Stern | Kerstin Thieler | Gunnar Zamzow

Kontakt

Humboldtallee 3 | 37073 Göttingen

Telefon: 0551 | 397160

Downloads & Fotos

Frühjahrstagung 2012

Vom 23. - 25. Februar 2012 veranstaltet das Kolleg in Oldenburg eine Tagung mit dem Titel „‚Volksgemeinschaft‘ vor Ort? Neue Forschungen zur sozialen Praxis im Nationalsozialismus''. Informationen und Anmeldemodalitäten finden Sie hier.

Tagungsbericht

Einen Bericht über die Tagung "Formen informeller Kooperation in der Herrschaftspraxis des nationalsozialistischen Deutschland auf der mittleren und lokalen Ebene" im ZZF Potsdam finden Sie auf H-Soz-Kult und als PDF hier.

2. Newsletter des Niedersächsischen Forschungskollegs

Der Newsletter des Niedersächsischen Forschungskollegs "Nationalsozialistische 'Volksgemeinschaft'?" ist erschienen. Sie können ihn hier herunterladen.

Beteiligte Universitäten

  

  • Logo Georg-August-Universität Göttingen
  • Logo Leibniz Universität Hannover
  • Logo Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
  • Logo Universität Osnabrück

Förderung

Gefördert aus Mitteln des Niedersächsischen Vorab des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, Land Niedersachsen.

Letzte Änderung: 12.11.2011
 
Verantwortlich Kerstin Thieler