„Volksgemeinschaft“ vor Ort? Neue Forschungen zur sozialen Praxis im Nationalsozialismus, 23. - 25. Februar 2012, Oldenburg, EWE-Forum Alte Fleiwa
Über die nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“ wird zurzeit intensiv debattiert. Neben der Frage, welche Binde- und Mobilisierungskräfte sie in der nationalsozialistischen Gesellschaft entfalten konnte, wird vor allem diskutiert, inwiefern es sich bei der „Volksgemeinschaft“ um ein Propagandakonstrukt handelte oder von ihrer sozialen Realität ausgegangen werden kann. Die Tagung möchte solchen Fragen vor Ort nachspüren: Wie wurde in niedersächsischen Städten und Regionen die „Volksgemeinschaft“ inszeniert, institutionalisiert, verhandelt und erfahren? Welche sozialen, kulturellen, ökonomischen und regionalen Rahmenbedingungen spielten für die „Volksgemeinschaft“ eine Rolle? Welche Folgen hatte die Idee für die NS-Gesellschaft, in welchem Verhältnis standen dabei Propaganda und soziale Praxis, nationale und lokale Handlungsebenen?
Die Tagung zielt insofern auf dreierlei: Erstens soll mit der Erkundung des gesellschaftlichen Nahraums in Stadt und Region, den die Fallstudien vornehmen, der Blick auf die sozialen Kontexte und Prozesse geschärft werden, in denen sich die NS-Gesellschaft konstituierte. Zweitens soll das Konzept der „Volksgemeinschaft“ in längerfristige Entwicklungen des 20. Jahrhunderts eingebettet werden, indem die Beiträge die Marken von 1933 und 1945 überschreiten und nach Traditionen dieses Leitbegriffes sowie nach Kontinuitäten über das Ende des NS-Regimes hinaus fragen. Darüber hinaus möchte die Tagung drittens neue Forschungsergebnisse in die internationale Diskussion einbetten. Für jeden Vortrag ist daher ein Kommentar einer/s Experten vorgesehen, der die Ergebnisse in aktuelle Forschungstrends einordnen und nach den Impulsen fragen soll, die die Fallstudien zur „Volksgemeinschaft“ für die NS-Forschung bieten.
Über Ihr Interesse an dieser Diskussion und Ihre Teilnahme an der Tagung würden wir uns freuen. |
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Die Tagung wird für das Niedersächsische Forschungskolleg Nationalsozialistische ‚Volksgemeinschaft‘? Soziale Konstruktion, gesellschaftliche Wirkungsmacht und Erinnerung vor Ort organisiert von Dietmar von Reeken, Bianca Roitsch, Christine Schoenmakers, Kathrin Stern, Malte Thießen und Gunnar Zamzow.
Ansprechpartner der Tagungsleitung: Dietmar von Reeken und Malte Thießen
Vorläufiges Programm
Donnerstag, 23.02.
13:00-13:45h Begrüßung und Einführung
Begrüßung: Universitätspräsidentin Babette Simon (angefragt)
Begrüßung: Sprecher des Forschungskollegs, Detlef Schmiechen-Ackermann (Hannover)
Tagungseinführung: Dietmar von Reeken (Oldenburg)
13:45-15:30h Panel 1: Handlungsräume regionaler AkteurInnen für die „Volksgemeinschaft“
Christine Schoenmakers (Oldenburg): NS-Justiz und „Volksgemeinschaft“. Juristischer Alltag und der Einsatz des Rechts zur Mobilisierung der Bevölkerung. Das Beispiel Bremen
Kommentar: Hans Wrobel (Bremen)
Kathrin Stern (Oldenburg): Volksschullehrkräfte im Einsatz für die „Volksgemeinschaft“?
Kommentar: Wilfried Breyvogel (Duisburg-Essen)
15:30-16:00h Kaffeepause
16:00-17:45h Panel 2: Soziale Praxis und Identitätskonstruktionen im Umfeld nationalsozialistischer Lager
David Reinicke (Göttingen): Opportunismus und Repression. Gruppendynamik und Gewaltpraxis in der „Moor-SA“
Kommentar: Armin Nolzen (Bochum)
Bianca Roitsch (Oldenburg): „Volksgenossen“ im Angesicht „Gemeinschaftsfremder“? Das Umfeld der NS-Zwangslager am Beispiel von Bergen, Esterwegen und Moringen 1930-1960
Kommentar: Jane Caplan (Oxford)
18:00-20:00h Abendessen (individuell gestaltbar)
ab 20h Abendvortrag
Frank Bajohr (Hamburg): Die nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“. Zwischenbilanz, Probleme und offene Fragen für regionale NS-Forschungen
Freitag, 24.02.
10:00-12:00h Panel 3: Gauhauptstädte zwischen regionaler Herrschaftspraxis, Machtrepräsentation und Vergemeinschaftung
Detlef Schmiechen-Ackermann (Hannover): Gauhauptstädte – Zentren der Macht?
Anneke de Rudder (Hannover): Lüneburg als „verspätete Gauhauptstadt“
Kerstin Thieler (Hannover): Architektur der Macht. Regionale Akteure in der Auseinandersetzung um Oldenburg als Hauptstadt des Gaus Weser-Ems
Kommentar: Sylvia Necker (Hamburg)
12:00-13:30h Mittagspause
13:30-15:15h Panel 4: Ambivalentes Wachstum – identitätspolitische Herausforderungen der Rüstungsmobilisierung
Lars Amenda (Osnabrück): Migration und „Volksgemeinschaft“ – die Reichswerke Hermann Göring in Salzgitter
Kommentar: Christoph Rass (Osnabrück)
Gunnar Zamzow (Oldenburg): Sinnsuche und Identitätspolitik – die Marinestadt Wilhelmshaven 1933 bis 1970
Kommentar: Neil Gregor (Southampton)
15:15-15:45h Kaffeepause
15:45-17:30h Panel 5: Bevölkerung zwischen „Blut-und-Boden“-Inszenierung und Alltagspraxis
Anette Blaschke (Hannover): Zwischen Dorfgemeinschaft und „Volksgemeinschaft“. Ländliche Lebenswelt im Nationalsozialismus
Kommentar: Ernst Langthaler (Wien)
Lu Seegers (Hannover): Die „Reichsbauerntage“ als städtische Repräsentation der „Volksgemeinschaft“?
Kommentar: Adelheid von Saldern (Göttingen)
ab 19:00h Abendessen
Samstag, 25.02.
10:00-11:45h Panel 6: Sport und Religion – gesellschaftliche Institutionen in Konvergenz und Konkurrenz zur „Volksgemeinschaft“
Merit Petersen (Hannover): Konfessionelle Milieus als Konkurrenz zur NS-Volksgemeinschaft. Kollaboration und Konflikt in Cloppenburg und Stade
Kommentar: Rainer Hering (Schleswig)
Henry Wahlig (Hannover): Juden im deutschen Vorkriegs-Fußball zwischen Integration, Exklusion und Selbstbehauptung
Kommentar: Moshe Zimmermann (Jerusalem)
11:45-12:00h Kurze Kaffeepause
12:00-13:00h Abschlussdiskussion
Moderation: Malte Thießen (Oldenburg)



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