Forschungsprojekt »Nationalsozialistische ’Volksgemeinschaft‘: Konstruktion, gesellschaftliche Wirkungsmacht und Erinnerung vor Ort«

Dr. Lars Amenda

E-Mail: lamendauni-osnabrueck.de

 

Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS)

Universität Osnabrück

Neuer Graben 19/21

D-49069 Osnabrück

 

Tel. +49(0)541 969 4303

Projekt III: Migration und die NS-‚Volksgemeinschaft’: Das Reich, Salzgitter und der Oberharz

Betreuer: apl. Prof. Dr. Jochen Oltmer, Universität Osnabrück

Kurzbiografie

1993-2000

Studium der Geschichtswissenschaft, Politikwissenschaft, Neueren deutschen Literatur und Philosophie an der Universität Hamburg

1996-1998

studentische Hilfskraft der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

2000-2001

freier Mitarbeiter der Werkstatt der Erinnerung in der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg

2001-2004

Promotionsstipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung

10/2004

Promotion bei Prof Dr. Axel Schildt im Fach Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Hamburg

4-6/2005

Forschungsstipendiat des Deutschen Historischen Instituts London

2005-

Lehrbeauftragter am Historischen Seminar der Universität Hamburg

2006-2008

Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (DFG-Projekt: Chinesenviertel in westeuropäischen Hafenstädten. Eine transnationale Migrations- und Wahrnehmungsgeschichte 1900-1950)

2007

Lehrbeauftragter im Fach Sozial- und Kulturgeschichte an der Universität Lüneburg

5/2007

Visiting Fellow am Growth and Structure of Cities Programme vom Bryn Mawr College, USA

2008/2009  

Projektbearbeiter “China in Hamburg” (im Auftrag der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius)

8/2008-4/2009

Gastwissenschaftler am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) an der Universität Osnabrück

seit 05/2009

Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) an der Universität Osnabrück

Kurzbeschreibung des Forschungsprojekts

Migration und die NS-‚Volksgemeinschaft’: Das Reich, Salzgitter und der Oberharz

Die nationalsozialistische Herrschaft forcierte massenhaft Migration. Während die „Auslandsdeutschen“ in die völkische Gemeinschaft einverleibt werden sollten, wurden Tausende deutsche Juden und politische Gegner gewaltsam vertrieben und Millionen osteuropäischer Zwangsarbeiter im Laufe des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt.

Das Forschungsprojekt soll die Leitlinien nationalsozialistischer Migrationspolitik und die Folgen von Migration für die nationalsozialistische Vergemeinschaftung vor Ort untersuchen. Nach einer gründlichen Analyse der politischen Maßnahmen und mentalen Einstellungen bezüglich Wanderungen während des „Dritten Reiches“ werden Salzgitter und der Oberharz als lokale und regionale Fallbeispiele analysiert werden. In Salzgitter eröffneten im Zuge der massiven Aufrüstung die „Reichswerke Hermann Göring“ 1937 ein Stahlwerk aufgrund dortiger Eisenerzvorkommen. Der Betrieb war angesichts des erheblichen Arbeitskräftemangels Mitte der 1930er Jahre auf die tausendfache Anwerbung ‚volksdeutscher’ und ausländischer Arbeitern, seit 1939 auch auf die Arbeitskraft zahlreicher Zwangsarbeiter angewiesen.

Im Gegensatz dazu war die Krisenregion des Oberharzes deutlich weniger dynamisch und von einer erheblich geringeren Mobilität geprägt. Wie wirkten sich im „Laboratorium“ der Reichswerke in Salzgitter mit seinen 1941 rund 80.000 Arbeiter, darunter 42.000 Ausländer, die Anwesenheit zahlreicher Migranten auf die Konstruktion von ‚Volksgemeinschaft’ aus? Welche Reaktionen provozierten Arbeitsmigranten in der krisengeschüttelten Montanregion des Oberharzes?

In politik-, sozial- und kulturgeschichtlicher Perspektive soll das nationalsozialistische Migrationsregime mit den erwähnten lokalen Fallbeispielen veranschaulicht und verglichen werden. Ziel der Studie ist es, die bislang wenig bekannte Migrationsgeschichte der „Friedensjahre“ mit der allgegenwärtigen Zwangsarbeit der Kriegszeit zu verbinden und die Folgen für die deutsche Bevölkerung und die vielfach beschworene „Volksgemeinschaft“ zu herauszuarbeiten.

Veröffentlichungen (in Auswahl)

Bücher

(zus. mit Sonja Grünen), „Tor zur Welt“. Hamburg-Bilder und Hamburg-Werbung im 20.

Jahrhundert, Hamburg/München 2008 (Hamburger Zeitspuren, Bd. 5) (darin: „Tor zur Welt“. Die Hafenstadt Hamburg in Vorstellungen und Selbstdarstellung 1890-1970, S. 8-98, 158-174, 181-198).

Fremde – Hafen – Stadt. Chinesische Migration und ihre Wahrnehmung in Hamburg 1897-1972, München/Hamburg 2006 (Forum Zeitgeschichte, Bd. 17).

Herausgeberschaften

(zus. mit Malte Fuhrmann), Comparativ. Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung 17 (2007), Heft 2: Hafenstädte: Mobilität, Migration, Globalisierung

Artikel

‚Aufbau’ und ‚Arbeitseinsatz’. Migration und die Grenzen der der nationalsozialistischen Vergemeinschaftung, in: Jochen Oltmer (Hrsg.), Nationalsozialistisches Migrationregime und ‚Volksgemeinschaft, Paderborn 2012, S. 123-141.

Mobilisierung und Migration: die Reichswerke „Hermann Göring“ im Salzgittergebiet, in Oliver Werner (Hrsg.), Mobilisierung im Nationalsozialismus. Institutionen und Regionen in der Kriegswirtschaft und der Verwaltung des "Dritten Reiches" 1936 bis 1945, Paderborn 2012, ca. 20 S. (im Erscheinen).

(zus. mit Christoph Rass), Fremdarbeiter, Ostarbeiter, Gastarbeiter. Semantiken der Ungleichheit und ihre Praxis im „Ausländereinsatz“, in: Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus 28 (2012): Ungleichheiten im „Dritten Reich“: Semantiken, Praktiken, Erfahrungen, S. 90-117.

(2012): Ungleichheiten im „Dritten Reich“: Semantiken, Praktiken, Erfahrungen, ca. 30 S. (im Erscheinen).

Abseits der „Volksgemeinschaft“. Chinesen in Schleswig-Holstein während der NS-Zeit, in: Informationen zur schleswig-holsteinischen Zeitgeschichte 50 (2008): „Siegeszug in der Nordmark“. Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus 1925-1950. Schlaglichter – Rekonstruktionen – Studien, S. 211-223.

Metropole, Migration, Imagination. Chinesenviertel und chinesische Gastronomie in Westeuropa 1900-1970, in: Zeithistorische Forschungen / Studies in Contemporary History 4 (2007), S. 287-310 (Online-Version abrufbar unter: http://www.zeithistorische-forschungen.de/16126041-Amenda-3-2007).

Chinesenviertel im Hafenviertel. Chinesische Seeleute und Migranten und ihre Bilder in Rotterdam und Hamburg 1920-1970, in: Informationen zur modernen Stadtgeschichte (2007), Heft 2: Stadt und Migration, S. 36-50.

„Einfallstore“. Hafenstädte, Migration und Kontrolle 1890-1930, in: Comparativ. Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung 14 (2007), Heft 2, S. 27-36.

Chinese Quarter, Chinese Buurt, Chinesenviertel. Global Migration, Ethnic Niches, and Their Reception in West European Port Cities, 1900-1950, in: The European Association for Urban History, Urban Europe in Comparative Perspective. Papers Presented at the Eighth International Conference on Urban History, Stockholm 2006, hrsg. von Lars Nilsson, Stockholm 2007 (Studies in Urban History, Bd. 31, CD-ROM).

„Welthafenstadt“ und „Tor zu Welt“. Selbstdarstellung und Wahrnehmung der Hafenstadt Hamburg (1900-1970), in: Deutsches Schiffahrtsarchiv. Wissenschaftliches Jahrbuch des Deutschen Schiffahrtsmuseums 29 (2006), S. 137-158.

„... ein deutsch-malaiischer Mischling“. Eine Denunziation im nationalsozialistischen Hamburg, in: IWK – Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 42 (2006), S. 489-498 (2008 erschienen).

„Hamburgische Werbeprobleme“. Eine Denkschrift des Leiters der Staatlichen Pressestelle Alexander Zinn von 1929 – Dokumentation und Kommentar, in: Hamburger Wirtschafts-Chronik Neue Folge 6 (2006), S. 121-146.

Kostenlose Völkerschau. Asiatische und afrikanische Seeleute als „exotische“ Attraktionen der Hafenstadt Hamburg 1900-1930, in: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung (IWK) 41 (2005), S. 329-346.

Migration und Kriminalisierung. Das „Chinesenviertel“ in St. Pauli/Altona und der Unterhaltungsroman „Begegnung auf der Landstraße“ (1936) von Alfons Zech, in: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte 46 (2005), S. 92-119.

„Chinesenaktion“. Zur Rassenpolitik und Verfolgung im nationalsozialistischen Hamburg, in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 91 (2005), S. 103-132.

„Volk ohne Raum schafft Raum“. Rassenpolitik und Propaganda im nationalsozialistischen Landgewinnungsprojekt an der schleswig-holsteinischen Westküste, in: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte 45 (2005), S. 4-31 (http://www.akens.org/akens/texte/info/45/45_004.pdf).

Vorstellungen und Nachforschungen. Chinesische Seeleute, deutsche Frauen und bremische Behörden während des Ersten Weltkrieges, in: Peter Kuckuk (Hrsg.), Passagen nach Fernost. Menschen zwischen Bremen und Ostasien, Bremen 2004 (Beiträge zur Sozialgeschichte Bremens, Heft 23), S. 184-203.

Fremd-Wahrnehmung und Eigen-Sinn. Das „Chinesenviertel“ und chinesische Migration in Hamburg, 1910-1960, in: Angelika Eder (Hrsg.), unter Mitarbeit von Kristina Vagt, „Wir sind auch da!“. Das Leben von und mit Migranten in europäischen Großstädten, München/Hamburg 2003 (Forum Zeitgeschichte, Bd. 14), S. 73-94.

Berichte und Rezensionen für

Archiv für Sozialgeschichte Online, Geschichte Transnational, H-Soz-u-Kult, Informationen zur modernen Stadtgeschichte, Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte, Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Newslettter zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, Zeitgeschichte in Hamburg, Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte

 

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Bianca Roitsch, Letzte Änderung: 13.05.2013
Forschungsprojekt "Nationalsozialistische 'Volksgemeinschaft'"