Kathrin Stern, Dipl. Sozialwiss.

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg Fakultät IV Institut für Geschichte Ammerländer Heerstr. 114 – 118 26129 Oldenburg |
Telefon: (049)-441-798 4995 |
Projekt VIII: Erziehung zur “Volksgemeinschaft”: VolksschullehrerInnen als AkteurInnen nationalsozialistischer Vergemeinschaftungspraxis
Betreuer: Prof. Dr. Dietmar von Reeken, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Kurzbiografie
2002 - 2008 | Studium der Dipl. Sozialwissenschaften (Wahlpflichtfach Neuere Geschichte) an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg; Diplomarbeit mit dem Titel: Die „Frauen für den Frieden/Ostberlin“ – Widerstand oder Opposition? |
09/2004 | Praktikum im Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager, Papenburg |
12/2004 - 06/2005 | Praktikum in der Konfliktschlichtung e.V., Oldenburg |
seit 04/2009 | wissenschaftliche Mitarbeiterin im Niedersächsischen Forschungskolleg „Nationalsozialistische ´Volksgemeinschaft`? Konstruktion, gesellschaftliche Wirkungsmacht und Erinnerung vor Ort“ |
Kurzbeschreibung des Forschungsprojektes
VolksschullehrerInnen spielten eine zentrale Rolle bei der nationalsozialistischen Ideologisierung der Jugend und der Mobilisierung der Bevölkerung für den Nationalsozialismus - trotzdem sind ihre Funktion und ihre Bedeutung für die Konstruktion einer „nationalsozialistischen Volksgemeinschaft“ bisher noch nicht untersucht worden. Drei Lebens- und Wirkungsbereiche der Lehrkräfte sollen, am Beispiel der VolksschullehrerInnen des Kreises Leer (Ostfriesland), einer umfassenden Analyse unterzogen werden. Neben dem Prozess der ideologischen Formierung und „Erziehung“ der VolksschullehrerInnen selber, stehen die Rolle und Funktion der Lehrkräfte an den Volksschulen und innerhalb der Dorfgemeinschaft im Mittelpunkt der Dissertation. Das nationalsozialistische Regime begann nach der Machtübernahme zügig mit der inhaltlichen und strukturellen Neuregelung der Lehramtsausbildung. In den Hochschulen für Lehrerbildung und den späteren Lehrerbildungsanstalten, aber auch in spezifischen Schulungslagern, wurden die künftigen VolksschullehrerInnen zu nationalsozialistischen ErzieherInnen ausgebildet und – zumindest dem Anspruch nach – auf ihre Rolle als FührerInnen der Klassengemeinschaft vorbereitet. Da über 90% aller SchülerInnen jedes Schuljahrganges die Volksschule absolvierten, nahmen die VolksschullehrerInnen eine zentrale Funktion in der Formung aber auch Umformung der jugendlichen „VolksgenossInnen“ ein. Der nationalsozialistischen Vorstellung gemäß, sollten die Schulklassen eine nationalsozialistische „Volksgemeinschaft im Kleinen“[1] darstellen, deren Konstruktion zum einen über die Lehrinhalte, zum anderen über spezifische inner- und außerschulische Aktivitäten gelingen sollte. Zahlreiche Schulfeiern in deren Zentrum sowohl schulische Ereignisse, wie Einschulung oder Schulentlassung, als auch außerschulische Geschehnisse, wie der 1.Mai, standen, wurden in diesem Sinne instrumentalisiert. Des Weiteren wurde von den Landvolksschullehrkräften erwartet, dass sie „als Mittelpunkt des politischen und sozialen Lebens [ihrer] Gemeinde, als Berater auch der Erwachsenen“[2] fungieren sollten. Daran knüpften sich im Wesentlichen zwei Anforderungen. Zum einen übernahmen die Lehrkräfte zahlreiche administrative Funktionen im Ort, die für das Gemeindeleben unabdingbar waren. Zum anderen erwartete das nationalsozialistische Regime von der LandschullehrerInnenschaft die Übernahme zahlreicher Parteifunktionen und die aktive Partizipation an den vielfältigen Veranstaltungen des Parteiapparates. Verschiedene Quellen (Personal- und Entnazifizierungsakten, Schulchroniken, Lehrerkonferenzprotokolle, Sachakten des NSLB usw.) ermöglichen eine differenzierte Analyse darüber, inwieweit die VolksschullehrerInnen die ihnen zugeschriebene bedeutsame ideologisierende und vergemeinschaftende Funktion im nationalsozialistischen Sozialisationsgefüge ausfüllten und ob die geschlechtliche, konfessionelle oder regionale Zugehörigkeit die konkrete Handlungspraxis veränderte.
[1] Andreas Kraas: Die „Überholung“ der Lehrer 1933-1936. Die Herausbildung der nationalsozialistischen Lagerpädagogik für Lehrer: Personen, Institutionen und Konzepte, in: Jahrbuch für Historische Bildungsforschung, Bd. 9, 2000, S. 118. [2] So äußerte sich Rust in einem Schreiben an den Stellvertreter des „Führers“ 1939.
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Veröffentlichungen
Grenzen - Grenzverschiebungen - Grenzverschärfungen. Die Handlungsräume der Frauen für den Frieden/Ostberlin, in: Ariadne. Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte, Heft 57, Mai 2010, S. 48-53. Die „Frauen für den Frieden/Ostberlin“ - Widerstand oder Opposition? Oldenburg 2009. |


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