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Kerstin Thieler, M. A.

Kerstin Thieler

Email: thielerfoko-ns.de

Postadresse: Georg-August-Universität Göttingen / Nds. Forschungskolleg NS-"Volksgemeinschaft", Humboldtallee 3, 37073 Göttingen

 

Tel. 0551-39-7160.

Für weitere Informationen: www.kerstinthieler.de

Projekt Ib: „Die Gauhauptstadt als Arena nationalsozialistischer Vergemeinschaftungspolitik: Inszenierungen und Akteure der ‚Volksgemeinschaft’ in Hannover, Oldenburg und Lüneburg“

Projektgrupppe:  Prof. Dr. Detlef Schmiechen-Ackermann, Anneke de Rudder, M. A. (Leibniz Universität Hannover)

Teilprojekt: Architektur der Macht. Regionale Akteure in der Auseinandersetzung um Oldenburg als Hauptstadt des Gaus Weser-Ems

Biografische Angaben

1997-1999

Magisterstudium an der Georg-August-Universität Göttingen, Studienfächer: Mittlere und Neuere Geschichte (HF), Europäische Ethnologie (1. NF), Soziologie (2. NF)

1998-2004

Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung

2000-2001

Auslandsstudium an der Königlichen Universität Kopenhagen, Dänemark

2001-2002

studentische Hilfskraft am Institut für Europäische Ethnologie im Projekt „Kindheitsforschung“ der Volkswagenstiftung

2003

Werkvertrag mit dem Stadtarchiv Göttingen für die Erstellung der CD-rom „Hitler in Göttingen. Die Wahlkampfrede Adolf Hitlers am 21. Juli 1932 im Kaiser-Wilhelm-Park mit Erläuterungen und Dokumenten.“

2000-2003

Studium an der Georg-August-Universität Göttingen; Magisterarbeit zum Thema „Die "politische Beurteilung" als lokales Herrschaftsinstrument. Die Göttinger Kreisleitung der NSDAP 1933-1945.“

2004

wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte; Ausstellungsprojekt im Auftrag des Universitätspräsidiums: „[...] des Tragens eines deutschen akademischen Grades unwürdig.“ Die Entziehung von Doktortiteln an der Georg-August-Universität Göttingen im „Dritten Reich“.

2005-2009

wissenschaftliche Hilfskraft bei Prof. Dr. Bernd Weisbrod am DFG-Graduiertenkolleg Generationengeschichte.

2006-2009

Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung, Graduiertenförderung.
Arbeit an der Dissertation zum Thema:

„Die Arbeit an der 'Volksgemeinschaft'. Politische Zuverlässigkeit und Gesinnungskontrolle in der Herrschaftspraxis des 'Dritten Reichs'“,

betreut durch Prof. Dr. Bernd Weisbrod und Prof. Dr. Michael Wildt

2010

Seminar am Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover zum Thema: Städte im Nationalsozialismus. Repräsentation und Herrschaftspraxis

Kurzbeschreibung des Forschungsprojektes

Die Gaue konstituierten die mittlere Funktionsebene des NS-Staates. Als zentrale Arenen der Selbstinszenierung auf der mittleren Politikebene gewannen sie erheblich an Bedeutung, da sie eine Art „Scharnier“ zwischen der zentralistischen NS-Politik mit ihren nationalen Großinszenierungen und der alltäglichen Herrschaftspraxis an der lokalen Basis bildeten.

In den als „unauffällig“ zu charakterisierenden niedersächsischen Gauhauptstädten Hannover, Oldenburg und Lüneburg lässt sich diese regionale Bindeglied-Funktion besonders gut untersuchen, da sie nicht von markanten überregionalen Profilen (wie z.B. München als „Hauptstadt der Bewegung“ und „Stadt der deutschen Kunst“ oder Nürnberg als „Stadt der Reichsparteitage“) überlagert wurde.

Das Erkenntnisinteresse richtet sich dabei vor allem auf folgende Themenkomplexe und Fragen: Wie handelten die herausgehobenen Akteure der Volksgemeinschaftspolitik, welche Akzente setzten sie? In welchem Verhältnis standen Wandel und Beharrung in den regionalen NS-Funktionärseliten der Gaue Südhannover-Braunschweig, Weser-Ems und Osthannover? Wurde die nationalsozialistische Vergemeinschaftungspolitik von den altgedienten Gauleitern und jüngeren Technokraten wie Hartmann Lauterbacher oder Paul Wegener in unterschiedlicher Weise betrieben? Worin lagen gegebenenfalls die spezifischen Unterschiede?

An den Beispielen Hannover, Oldenburg und Lüneburg kann exemplarisch untersucht werden, zu welchen Anlässen auf der regionalen Ebene der NS-Gaue versucht wurde, Zustimmung zur intendierten „Volksgemeinschaft“ durch Herrschaftsrepräsentation bzw. durch die Inszenierung von gemeinschaftsbildenden regionalen Veranstaltungen und Kundgebungen zu generieren.

Nach der einschlägigen Studie von Bernd Stöver über die Konsensbereitschaft der Deutschen sollen es vor allem fünf Themenfelder und Aktionsräume gewesen sein, in denen die Nationalsozialisten erfolgreich ihre „Volksgemeinschafts“-Politik betrieben: Erstens die nach der Not der Weltwirtschaftskrise sehr ausgeprägte Sehnsucht nach „Normalität“, Sicherheit und Ordnung; zweitens der nationalistische Diskurs, der durch einen militärischen Diskurs ergänzt wurde, nach dem der Krieg die militärische Fortsetzung der Revisionspolitik darstellte; drittens ideologische Mobilisierungen, die auf das „Lebensraum“-Konzept, den Antibolschewismus und den Rassismus rekurrierten; viertens die Versprechung der „Konsumgemeinschaft“ und fünftens der „Führermythos“ als eine Form der personenbezogenen Zustimmung. Inwieweit dieser Befund, der anhand von Berichten aus dem sozialistischen Untergrund, aber ohne empirische Überprüfung durch lokale Fallstudien erhoben wurde, tatsächlich zutrifft, soll nun für den konkreten Aktionsraum der Gauhauptstadt untersucht werden.

Des Weiteren ist zu fragen, ob alle diese Elemente gleichwertig waren oder unterschiedliche Bedeutung gewannen und schließlich, ob zwischen den drei regionalen Gauzentren oder in der zeitlichen Entwicklung signifikante Unterschiede festzustellen sind.

Schließlich wird im Rahmen eines knapper gefassten Ausblickes gefragt, in welcher Weise die NS-„Volksgemeinschaft“ nach 1945 in städtischen Selbstrepräsentationen weiter gewirkt bzw. die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in den drei vormaligen Gauhauptstädten Hannover, Oldenburg und Lüneburg beeinflusst hat.

Veröffentlichungen

  • Gesinnungskontrolle in Göttingen. Die NSDAP-Kreisleitung und die Beurteilung der „politischen Zuverlässigkeit“, in: Nicole Kramer / Armin Nolzen (Hg.): Ungleichheiten im „Dritten Reich“: Semantiken, Praktiken, Erfahrungen (Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus, Bd. 28), Göttingen [September 2012].
  • Volksgenossen unter Vorbehalt. Die Herrschaftspraxis der NSDAP-Kreisleitungen und die Zugehörigkeit zur „Volksgemeinschaft“,
    in: Detlef Schmiechen-Ackermann (Hrsg.),„Volksgemeinschaft“: Mythos, wirkungsmächtige soziale Verheißung oder soziale Realität im „Dritten Reich“? Propaganda uns Selbstmobilisierung im NS-Staat, Paderborn 2012, S. 211-225. ISBN: 978-3-506-77165-0 (Nähere Angaben)
  • Ohne Würde. Die Entziehung von Doktortiteln an der Georg-August-Universität Göttingen im „Dritten Reich“ und der lange Prozess der Rehabilitierung nach 1945, in: Detlef Schmiechen-Ackermann /Hans Otte / Wolfgang Brandes (Hg.): Hochschulen und Politik in Niedersachsen nach 1945, Hannover [2013].
  • Ausstellung und Katalog in der Staats- und Universitätsbibliothek zu Göttingen zum Thema: „[...] des Tragens eines deutschen akademischen Grades unwürdig.“. Die Entziehung von Doktortiteln an der Georg-August-Universität Göttingen im „Dritten Reich“. Göttingen 2004. ISBN: 3-930457-67-9, 2. Auflage Februar 2006
  • Hitler in Göttingen. Die Wahlkampfrede Adolf Hitlers am 21. Juli 1932 im Kaiser-Wilhelm-Park mit Erläuterungen und Dokumenten. Göttingen 2004. (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Göttingen 9, CD-rom)
    ISBN: 3-98030622-4

Rezensionen

  • Rezension zu: Koop, Volker: Hitlers Fünfte Kolonne. Die Auslands-Organisation der NSDAP. Berlin 2009, in: H-Soz-u-Kult, 05.02.2010, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2010-1-090
  • Rezension zu: Sebastian Lehmann: Kreisleiter der NSDAP in Schleswig-Holstein. Lebensläufe und Herrschaftspraxis einer regionalen Machtelite, Bielefeld 2007 (IZRG-Schriftenreihe 13), in: Jan Eckel/Claudia Moisel (Hg.): Universalisierung des Holocaust? Erinnerungskultur und Geschichtspolitik in internationaler Perspektive, Göttingen 2008 (Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus, Bd. 24)
  • Lektüre zu: Susanne zur Nieden (Hg.), Homosexualität und Staatsräson. Männlichkeit, Homophobie und Politik in Deutschland, 1900–1945, Frankfurt a.M. – New York 2005, in: Historische Anthropologie 14 (2006), H. 2, S. 326.

Frühjahrstagung 2012

Vom 23. - 25. Februar 2012 fand in Oldenburg die Tagung „‚Volksgemeinschaft‘ vor Ort? Neue Forschungen zur sozialen Praxis im Nationalsozialismus'' statt. Nähere Informationen und Eindrücke finden Sie hier.

Der soeben bei HSozKult erschienene Bericht resümiert die Ergebnisse der Tagung. 

Tagungsbericht

Einen Bericht über die Tagung "Formen informeller Kooperation in der Herrschaftspraxis des nationalsozialistischen Deutschland auf der mittleren und lokalen Ebene" im ZZF Potsdam finden Sie auf H-Soz-Kult und als PDF hier.

2. Newsletter des Niedersächsischen Forschungskollegs

Der Newsletter des Niedersächsischen Forschungskollegs "Nationalsozialistische 'Volksgemeinschaft'?" ist erschienen. Sie können ihn hier herunterladen.

Beteiligte Universitäten

  

  • Logo Georg-August-Universität Göttingen
  • Logo Leibniz Universität Hannover
  • Logo Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
  • Logo Universität Osnabrück

Förderung

Gefördert aus Mitteln des Niedersächsischen Vorab des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, Land Niedersachsen.

Letzte Änderung: 02.05.2012
 
Verantwortlich Web-Admin